Ihr Lieben,
wir sind wieder da! Gott sei Dank!!!
Alles fing damit an, dass Belinda uns eines Tages eine E-Mail schrieb in der sie uns erzählte, dass ihr Club bis zum Ende des Monats schließt, und sie bald alle keinen Job und keine Unterkunft mehr hätte. Wie jetzt? Und was wird aus unserem Urlaub? Flug stornieren war viel zu teuer, wäre mir in dem Moment aber am Liebsten gewesen. Also hab ich ein ganzes Wochenende im Internet verbracht um eine alternative Unterkunft zu suchen, was ich dann auch gefunden habe. Kein so bombastischer Club, wie der von meiner Schwägerin und ein Zimmer für uns alle, damit es nicht so teuer wird. Ok, das hatten wir geschafft.
Kurz darauf kam eine Mail der Fluggesellschaft, dass unser Flug nicht wie geplant um 11 Uhr starten würde, sondern schon um 8 Uhr morgens. So ein Käse! Jetzt hatten wir extra den teureren Flug ausgesucht, weil wir mit den Kiddies nicht in der Nacht los wollten und jetzt das! Außerdem hatten wir einen Non-Stop-Flug gebucht und nun sollten wir auf dem Heimflug noch einen Zwischenhalt in Sharm el Sheik haben. So langsam verlor ich die Lust...
So, dann waren wir das Wochenende vor unserem Abflug noch auf einem Familienwochenende im Schwarzwald mit Unmengen an Schnee. Jael hatte Ohrenschmerzen und war die Tage danach ziemlich angeschlagen und verschnupft. Am Mittwoch reisten wir zu alten Freunden nach Wallau in die Nähe von Frankurt und nächtigten da, bis wir um 5 Uhr morgens wieder aufstanden und zum Flughafen losfuhren.
Der Flug war eine schöne Erfahrung für Louis: Fast 5 Stunden Fernsehschauen!! Jael war da etwas anstrengender, aber schließlich hatten wir das auch geschafft.
Der Club war für unsere Verhältnisse echt schön und auch das Zimmer und alles drum herum stimmte. Nur das Wetter: es blies ein ziemlich kalter Wind bei um die 20 Grad.
Die Tage verbrachten wir hinter einem Windschutz am STrand und beim ESSEN. Zwischendurch blamierte ich mich beim Zumbakurs oder wir spielten Schach. Dominik und ich waren auch mal mit Belinda schnorcheln, was echt krass schön war.
Auch wenn Jael noch Fieber hatte und eine Bronchitis bekam waren es für mich die entspanntesten Tage seit Jahren und ich war erholt wie nie zuvor. Ich brauchte nur zu überlegen, was wir anziehen müssen, alles andere war egal.
An unserem Abreisetag kam die Sonne und ich wäre am liebsten noch einen Tag geblieben. Das das am Ende Wirklichkeit wurde, konnte ich in dem Moment nicht ahnen.
Um 12 Uhr gings zum Flughafen und um 14 Uhr ging der Flug. Eine dreiviertel Stunde später landeten wir wieder in Sharm el Sheik. Kaum waren wir in der Flughafenhalle wurden wir schon wieder zum Gate gerufen. Wir hatten Durst, da wir im Flugzeug auf der kurzen Strecke nichts zu Trinken bekommen hatten und nichts im Gepäck dabei hatten. Also wir wieder ins Flugzeug rein. Aber dann ging es einfach nicht weiter. Nach einiger Zeit kam die Durchsage des Piloten, dass etwas mit den Turbinen nicht stimmte. Von da an kam über 2 Stunden alle 15 Minuten eine Durhsage, dass wir noch durchhalten müssten, einmal bekamen wir was zu trinken. Um 17:30 Uhr hieß es dann aussteigen. Wir sollten in ein Hotel gebracht werden. Unsere Kinder waren total durch den Wind, total hungrig, müde und ANSTRENGEND. Louis weinte: "Müssen wir jetzt für immer in Ägypten bleiben?" In der Flughafenhalle wurden alle Passagiere in ein Gate gepfercht und von dort aus 1,5 Stunden durch verschiedene Sicherheitschecks und Visa-Gedöhns geschleust ohne Möglichkeit die Kinder mal wo hin zu setzen. Am Ende standen wir mit 6 großen Koffern (Belinda ist mit uns nach Hause gereist) vor dem Flughafen und versuchten der Meute über das steinige Pflaster zu folgen. Bis wir bei dem 500 m entfernten Busparkplatz ankamen, waren alle Busse belegt. Nur die Familien mit Kindern hatten keinen Platz mehr bekommen. Die Busse fuhren ab. Die netten Ägypter wollten Geld für ein Taxi, aber wir hatten kein ägyptisches Geld mehr. Also warteten wir. Am Ende kam dann doch noch ein Bus. Wir Familien halfen uns, wo wir konnten und teilten unseren kleinen Proviant und die letzten Schlücke trinken. Bis wir im Hotel ankamen war es 19:30 Uhr. Endlich essen, dachte ich. Aber Pustekuchen. Zuerst mussten wir noch eine halbe Stunde an der Rezeption auf die Schlüssel warten, dann mit unserem ganzen Gepäck 500 m bergab ins Hotelzimmer, dann mit den Kindern wieder hoch zum Hotelrestaurant, in dem sie uns einfach nicht hinein liesen. Eine Schlange war davor und obwohl immer wieder Leute raus kamen, wollten sie uns nicht rein lassen (Familien durften nur hinten sitzen). So verzweifelt war ich lange nicht mehr gewesen. Bis wir alle im Bett waren, war es 22 Uhr. Ich war fix und fertig. Der Rückflug sollte um 5 Uhr sein, der Bus sollte uns um 4 Uhr abholen. Ich bekam kein Auge zu.
Um 3 Uhr standen Dominik und ich auf und suchten unser Gepäck zusammen. Dominik brachte das Gepäck schon mal hoch und wollte auschecken, bevor alle wieder gleichzeitg auschecken wollten. An der Rezeption sagten sie ihm, er sollte damit noch warten und wir sollten auf dem Zimmer bleiben, bis sie uns anrufen. Um viertel vor vier, dachten wir, die haben uns vergessen. Deshalb weckten wir die Kinder und trugen sie den Berg hoch zur Hotelhalle. Dominik ging zur Rezeption und ich ging rüber zu einer anderen Familie. Ihre Kinder hatten in der Nacht gebrochen und so suchte ich im Gepäck nach einem Medikament, als mich die Mutter aufklärte, dass das Flugzeug ja noch nicht fertig sei. Wie bitte? Ja, wir sollten alle zurück auf das Zimmer und dort warten, bis man uns benachrichtigte. Das war zum Eier legen!
Wir also wieder mit den Kindern ohne Gepäck ins Hotelzimmer. Um 5 Uhr haben alle außer mir selbst wieder geschlafen. Um 9 Uhr beschlossen wir das Zimmer auf Risiko zu verlassen und Frühstücken zu gehen. In der Hotelhalle trafen wir wieder die Familie mit den neusten Infos. Die Maschine sei noch nicht repariert, vor zwei Stunden würde nichts mehr passieren, deshalb könnten wir dann auch an den Strand. Ok, dann sind wir halt zum Frühstücksbuffet. Als wir gerade fertig waren, kam ein Passagier in den Essenssaal gerannt und rief: Auschecken, wir sollen auschecken!
Dominik lief dann zu unserem Zimmer, um das Kleingepäck zu holen und wir stellten uns vor dem Hotel auf, damit wir diesmal einen Platz im Bus bekommen. Und wieder einmal war es heiß! Erst eine dreiviertel Stunde später um 11 Uhr kam der Bus und brachte uns zum Flughafen. Wieder kalte Klimaanlage! Beim Checkinschalter gab es dann auch noch ein längeres Computerproblem, was gemessen an den anderen Pannen ein Klacks war. Der Heimflug war dagegen wiederum ein Mückenhäufchen und kaum der Rede wert. Beide Kinder waren nach der Tour total erkältet und husteten nur noch und ich........?
Ich saß ein Tag später Zuhause am Küchentisch und mir liefen plötzlich die Tränen. Die ganze Anspannung mit den Kindern hatte mir ganz schön zugesetzt.Erholt fühlte ich mich schon lange nicht mehr. Und trotzdem war es ein schöner Familienurlaub mit schönen Erinnerungen und Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.
ps. wir haben die Fluggesellschaft über euclaim verklagt und hoffen auf 1200 Euro Ausgleichszahlung.
Donnerstag, 28. Februar 2013
Donnerstag, 31. Januar 2013
Newsletter 14: Erster Nachsorgetermin
Ihr Lieben,
ich möchte euch noch kurz erzählen wie der letzte Tag der Bestrahlung für mich war. Ich kann euch nicht sagen, wie unbeschreiblich glücklich in an jenem letzten Bestrahlungstag war.
In meinem Überschwang hatte ich den K-Schwestern gebrannte Mandeln mitgebracht und auch meinem Taxi gebührend Adieu gesagt. Als ich aus dem Taxi ausstieg lief ich direkt in unseren Hausflur, nahm Louis bei den Händen und hüpfte mit ihm durch die Wohnung. Ich werde auch nie vergessen, wie Louis die Haustüre aufmachte und zu Dominik herausrief: "Papa! Die Mama hat keinen Krebs mehr!" In dem Moment wurde mir klar, was dieses Jahr auch für Louis bedeutet haben muss.
Am Montag war Gabi nicht mehr da, rief uns aber gleich am Morgen an, weil sie ein Bild von sich in der Zeitung gefunden hatte ;o) mit einem Gruß von uns. Die Tage danach waren für mich wie ein Traum, ich hatte ständig ein Kribbeln im Bauch und konnte kaum still sitzen vor Freude.
Am Samstag vor Silvester lud ich ein paar Freunde und Nachbarn ein und wir tanzten bis in die frühen Morgenstunden. Endlich mal wieder ein Schlückchen Alkohol, mhm.
Am 15. Januar stand mein erster Nachsorgetermin an. War eigentlich völlig unspektakulär.
Die Woche darauf wollte ich die Eingewöhnung von Jael in Angriff nehmen. Eigentlich machte ich mir keine Sorgen, dass das ein Problem werden könnte. Das war es am Ende dann aber leider doch.
Die Erzieherin in Jaels Gruppe wurde zur selben Zeit schwanger und konnte nicht mehr zur Arbeit kommen. Deshalb gab es nur noch eine konstante Bezugsperson für Jael und jeden Tag wechselnde Vertretungen. Jael wurde mit der Kinderpflegerin dann auch nicht warm und schrie jeden Tag mehr, wenn wir in die Kita kamen. Sieben Tage zog ich es durch, bis ich am Wochenende den Entschluss fasste, meinen Wiedereinstieg auf den Sommer zu verschieben. Ich brachte es einfach nicht übers Herz.
Auch hier ist mir erst dann so richtig bewusst geworden, dass Jael im letzten Jahr nicht so viel von mir hatte, wie sie es eigentlich gebraucht hätte. Und ich selbst hatte eigentlich auch noch keine Zeit, um einfach mal zur Ruhe zu kommen.
Es war keine leichte Entscheidung, aber letztendlich doch die vernünftigste. Allerdings wusste ich nicht, wie mein Arbeitgeber das finden würde. Es war mir in dem Moment aber nicht so wichtig, wie meine Familie. Gott sei Dank hatten sie vollstes Verständnis für meine Situation und so verlängerte ich meine Elternzeit einfach.
Jetzt freue ich mich einfach auf die paar Monate, in denen ich die Elternzeit mit Jael nachholen kann, die ich versäumt habe.
Ah, wir haben übrigens beschlossen Dominiks Schwester in Ägypten zu besuchen. Sie arbeitet noch bis März in einem Club. Durch sie bekommen wir eine günstige Unterkunft und wir müssen nur den Flug bezahlen. Die Flüge haben wir noch vor Silvester gebucht und so fliegen wir am 14. Februar in die Sonne. All inclusive! Eigentlich glaub ich nicht, dass wir die Typen dafür sind, wenn's aber doch so günstig ist, ist es doch verführerisch.
Ich meld mich dann danach wieder.
ich möchte euch noch kurz erzählen wie der letzte Tag der Bestrahlung für mich war. Ich kann euch nicht sagen, wie unbeschreiblich glücklich in an jenem letzten Bestrahlungstag war.
In meinem Überschwang hatte ich den K-Schwestern gebrannte Mandeln mitgebracht und auch meinem Taxi gebührend Adieu gesagt. Als ich aus dem Taxi ausstieg lief ich direkt in unseren Hausflur, nahm Louis bei den Händen und hüpfte mit ihm durch die Wohnung. Ich werde auch nie vergessen, wie Louis die Haustüre aufmachte und zu Dominik herausrief: "Papa! Die Mama hat keinen Krebs mehr!" In dem Moment wurde mir klar, was dieses Jahr auch für Louis bedeutet haben muss.
Am Montag war Gabi nicht mehr da, rief uns aber gleich am Morgen an, weil sie ein Bild von sich in der Zeitung gefunden hatte ;o) mit einem Gruß von uns. Die Tage danach waren für mich wie ein Traum, ich hatte ständig ein Kribbeln im Bauch und konnte kaum still sitzen vor Freude.
Am Samstag vor Silvester lud ich ein paar Freunde und Nachbarn ein und wir tanzten bis in die frühen Morgenstunden. Endlich mal wieder ein Schlückchen Alkohol, mhm.
Am 15. Januar stand mein erster Nachsorgetermin an. War eigentlich völlig unspektakulär.
Die Woche darauf wollte ich die Eingewöhnung von Jael in Angriff nehmen. Eigentlich machte ich mir keine Sorgen, dass das ein Problem werden könnte. Das war es am Ende dann aber leider doch.
Die Erzieherin in Jaels Gruppe wurde zur selben Zeit schwanger und konnte nicht mehr zur Arbeit kommen. Deshalb gab es nur noch eine konstante Bezugsperson für Jael und jeden Tag wechselnde Vertretungen. Jael wurde mit der Kinderpflegerin dann auch nicht warm und schrie jeden Tag mehr, wenn wir in die Kita kamen. Sieben Tage zog ich es durch, bis ich am Wochenende den Entschluss fasste, meinen Wiedereinstieg auf den Sommer zu verschieben. Ich brachte es einfach nicht übers Herz.
Auch hier ist mir erst dann so richtig bewusst geworden, dass Jael im letzten Jahr nicht so viel von mir hatte, wie sie es eigentlich gebraucht hätte. Und ich selbst hatte eigentlich auch noch keine Zeit, um einfach mal zur Ruhe zu kommen.
Es war keine leichte Entscheidung, aber letztendlich doch die vernünftigste. Allerdings wusste ich nicht, wie mein Arbeitgeber das finden würde. Es war mir in dem Moment aber nicht so wichtig, wie meine Familie. Gott sei Dank hatten sie vollstes Verständnis für meine Situation und so verlängerte ich meine Elternzeit einfach.
Jetzt freue ich mich einfach auf die paar Monate, in denen ich die Elternzeit mit Jael nachholen kann, die ich versäumt habe.
Ah, wir haben übrigens beschlossen Dominiks Schwester in Ägypten zu besuchen. Sie arbeitet noch bis März in einem Club. Durch sie bekommen wir eine günstige Unterkunft und wir müssen nur den Flug bezahlen. Die Flüge haben wir noch vor Silvester gebucht und so fliegen wir am 14. Februar in die Sonne. All inclusive! Eigentlich glaub ich nicht, dass wir die Typen dafür sind, wenn's aber doch so günstig ist, ist es doch verführerisch.
Ich meld mich dann danach wieder.
Donnerstag, 20. Dezember 2012
Newsletter 13: Happy new Year
Meine Lieben,
das Jahr neigt sich dem Ende zu und Weihnachten steht vor der Tür. In den letzten Wochen habe ich durch meine Schreiberei immer wieder auf das Jahr Rückschau gehalten und bin jetzt doch ein wenig wehmütig. Gabi ist nur noch diese Woche da und daran hab ich echt zu knabbern. Nicht wegen dem Haushalt, es ist mehr so, dass wir uns schon so aneinander gewöhnt haben und dass ich Ihre Gesellschaft sehr genossen habe. Ich zerbreche mir den Kopf, was ich ihr zum Abschied schenken kann, was annähernd ausdrückt, was sie mir in dem Jahr bedeutet hat. Nicht auszudenken, wenn ich die erste Dorfhelferin behalten hätte....
Weihnachten fiebere ich genauso entgegen wie Louis, denn am Samstag hab ich die letzte Bestrahlung. Die Narbe ist mittlerweile eine offene Wunde und brennt, wenn sich meine Kleider daran reiben. Fkk wäre jetzt eine tolle Sache.
Die Therapie ist jetzt fast geschafft und jetzt, wie geht es weiter? Ich merke, dass ich in letzter Zeit doch öfters über den Grund meiner Erkrankung grüble. Wenn ich wüsste, warum ich Krebs bekommen habe, könnte ich ja vielleicht etwas in Zukunft ändern. Keine der Risikofaktoren für Brustkrebs treffen auf mich zu, weshalb ich eine genetische Beratung in Anspruch genommen habe. Tatsächlich könnte ein Gendefekt der Grund sein. Gewissheit habe ich erst nach einer Blutuntersuchung, die ich im neuen Jahr durchführen lasse.
Im Januar werde ich voraussichtlich noch krank geschrieben und den Februar nehme ich mir noch frei. In der Zeit werde ich Jael in der Kita eingewöhnen, ein bisschen Töpfern und mein Buch weiter schreiben. Einige Arzttermine stehen auch noch an.
Heilig Abend feiern wir als Familie Zuhause und Silvester sind wir bei meiner Schwester. Wir gehen dann am Abend in den Gottesdienst und ziehen wieder die Losverse für das nächste Jahr. Vor einem Jahr war ich noch total ahnungslos, was 2012 auf mich zukommen würde. Ich habe damals einen Vers aus 2. Mose 15,2 gezogen:
"Der Herr ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil"
darunter stand ein Vers von Ludwig Andreas Gotter
"Herr, verleih mir Stärke, verleih mir Kraft und Mut; denn das sind Gnadenwerke, die dein Geist schafft und tut."
Mir kommen die Tränen, wenn ich das schreibe, denn genau das habe ich in diesem Jahr erlebt. Der Vers steht im Zusammenhang mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten durch das Schilfmeer, wo Gott ein Riesenwunder getan hat. Die Israeliten singen Gott ein Lied, aber schon ein Kapitel später beginnen sie zu murren, weil sie hunger haben. Die alltäglichen Sorgen lassen sie die Größe Gottes vergessen. Gott aber lässt Manna und Wachteln vom Himmel regnen und versorgt sein Volk, weil er es so versprochen hat. So geht es 40 Jahre hin und her zwischen Murren und Danken, bis Gott sie aus der Wüste ins verheißene Land führt.
Gott führt uns manchmal in die Wüste, aber er lässt uns keinen Tag allein. Ich habe in dem Jahr gelernt, ihm in großen Sachen zu vertrauen, was ich noch mehr lernen will ist, auch im Alltag nicht zu schnell zu verzweifeln und zu murren und ihm auch die kleineren Sorgen zu überlassen.
So wünsche ich Euch für das Weihnachtsfest und das kommende Jahr den Segen und den Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft ;o)
Ich danke euch fürs Lesen, Mitfiebern, Mitbeten und für eure ermutigenden Worte im letzten Jahr.
Eure Kerstin
das Jahr neigt sich dem Ende zu und Weihnachten steht vor der Tür. In den letzten Wochen habe ich durch meine Schreiberei immer wieder auf das Jahr Rückschau gehalten und bin jetzt doch ein wenig wehmütig. Gabi ist nur noch diese Woche da und daran hab ich echt zu knabbern. Nicht wegen dem Haushalt, es ist mehr so, dass wir uns schon so aneinander gewöhnt haben und dass ich Ihre Gesellschaft sehr genossen habe. Ich zerbreche mir den Kopf, was ich ihr zum Abschied schenken kann, was annähernd ausdrückt, was sie mir in dem Jahr bedeutet hat. Nicht auszudenken, wenn ich die erste Dorfhelferin behalten hätte....
Weihnachten fiebere ich genauso entgegen wie Louis, denn am Samstag hab ich die letzte Bestrahlung. Die Narbe ist mittlerweile eine offene Wunde und brennt, wenn sich meine Kleider daran reiben. Fkk wäre jetzt eine tolle Sache.
Die Therapie ist jetzt fast geschafft und jetzt, wie geht es weiter? Ich merke, dass ich in letzter Zeit doch öfters über den Grund meiner Erkrankung grüble. Wenn ich wüsste, warum ich Krebs bekommen habe, könnte ich ja vielleicht etwas in Zukunft ändern. Keine der Risikofaktoren für Brustkrebs treffen auf mich zu, weshalb ich eine genetische Beratung in Anspruch genommen habe. Tatsächlich könnte ein Gendefekt der Grund sein. Gewissheit habe ich erst nach einer Blutuntersuchung, die ich im neuen Jahr durchführen lasse.
Im Januar werde ich voraussichtlich noch krank geschrieben und den Februar nehme ich mir noch frei. In der Zeit werde ich Jael in der Kita eingewöhnen, ein bisschen Töpfern und mein Buch weiter schreiben. Einige Arzttermine stehen auch noch an.
Heilig Abend feiern wir als Familie Zuhause und Silvester sind wir bei meiner Schwester. Wir gehen dann am Abend in den Gottesdienst und ziehen wieder die Losverse für das nächste Jahr. Vor einem Jahr war ich noch total ahnungslos, was 2012 auf mich zukommen würde. Ich habe damals einen Vers aus 2. Mose 15,2 gezogen:
"Der Herr ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil"
darunter stand ein Vers von Ludwig Andreas Gotter
"Herr, verleih mir Stärke, verleih mir Kraft und Mut; denn das sind Gnadenwerke, die dein Geist schafft und tut."
Mir kommen die Tränen, wenn ich das schreibe, denn genau das habe ich in diesem Jahr erlebt. Der Vers steht im Zusammenhang mit dem Auszug der Israeliten aus Ägypten durch das Schilfmeer, wo Gott ein Riesenwunder getan hat. Die Israeliten singen Gott ein Lied, aber schon ein Kapitel später beginnen sie zu murren, weil sie hunger haben. Die alltäglichen Sorgen lassen sie die Größe Gottes vergessen. Gott aber lässt Manna und Wachteln vom Himmel regnen und versorgt sein Volk, weil er es so versprochen hat. So geht es 40 Jahre hin und her zwischen Murren und Danken, bis Gott sie aus der Wüste ins verheißene Land führt.
Gott führt uns manchmal in die Wüste, aber er lässt uns keinen Tag allein. Ich habe in dem Jahr gelernt, ihm in großen Sachen zu vertrauen, was ich noch mehr lernen will ist, auch im Alltag nicht zu schnell zu verzweifeln und zu murren und ihm auch die kleineren Sorgen zu überlassen.
So wünsche ich Euch für das Weihnachtsfest und das kommende Jahr den Segen und den Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft ;o)
Ich danke euch fürs Lesen, Mitfiebern, Mitbeten und für eure ermutigenden Worte im letzten Jahr.
Eure Kerstin
Dienstag, 4. Dezember 2012
Newsletter 12: Die Bestrahlung
Meine Lieben,
ich sitze gerade wieder in meinem Chemotaxi (jetzt: Bestrahlungstaxi) mit aktueller Schlagermusik. Seit ich jeden Tag fahren muss hab ich das Notebook dabei und schreibsel vor mich hin. Ich lasse das Jahr nochmal revue passieren.
Die zweite OP habe ich insgesamt gut überstanden. Die Wundheilung war diesmal sogar noch schneller. Kaum war ich eine Woche Zuhause war ich am Wochenende schon wieder beim Notdienst, wegen einer Blasenentzündung. Also wieder Antibiotikum schlucken. Drei Wochen später hatte ich von einem auf den anderen Tag eine Mittelohrentzündung und musste schon wieder zum Notdienst, der mir wieder Antibiotikum verschrieb. Das ist jetzt drei Wochen her. Zwar hör ich auf dem linken Ohr im Moment noch wenig, aber ich dachte jetzt hab ich es mal geschafft und mach mal wieder Sport. Seit dem Wochenende hab ich Halsschmerzen, Schnupfen und seit heute Nacht Husten. Muss ich jetzt schon wieder zum Arzt? Morgen hab ich nochmal Hörtest und am Donnerstag muss ich mit meinen Kindern zum Impfen und mit Louis zum Augenarzt. (kurze Bestrahlungspause- 10 Minuten später:) Wie ihr seht, bin ich neben der Bestrahlung voll beschäftigt. Ansonsten hüpfe ich als Schneemann im Kinderturnen umher (Nikolausfeier lässt grüßen) oder organisiere das ein oder andere "Event". Die Weihnachtsbäckerei hab ich kurzfristig wieder eingestellt, nachdem Louis genau 10 Ausstecher machte und ich am Ende mit mehlbestäubter Jael und zwei Händen zuviel (oder meinerseits zu wenig) nichts rechtes mehr zustande brachte.
Bestrahlung:
Vor zwei Wochen hatte ich wieder einmal ein Aufklärungsgespräch. Ich war ganz beschwingt, nach der OP jetzt auch diese letzte Hürde in Angriff zu nehmen. Bestrahlung soll ja nicht so schlimm sein. Ein bisschen Müdigkeit und Sonnenbrand. Ich saß im Wartebereich mit einer spannend bunten Zeitschrift, da kam die Ärztin, und meinte im Vorbeigehen "Mitkommen"! Im Sprechzimmer setzte ich mich ihr gegenüber an den Tisch. Sie begrüßte mich nicht einmal und schrieb in ihren Computer. Irgendwann fing sie an: "Wurden Sie schon zu Bestrahlung aufgeklärt?" Ich: "nein"(deshalb bin ich doch da!) "Na, dann müssen wir das halt auch noch machen." Dann erzählte sie mir in einem Leierton, wie die Bestrahlung abläuft. Ich musste meinen Oberkörper frei machen und auf eine Liege sitzen. Im nächsten Moment war sie durch die Tür verschwunden, die Tür stand aber sperrangelweit auf. Jeder auf dem Flur hätte mich sehen können! Dann war sie wieder da, ich musste mich hinlegen und sie machte Fotos von mir und setzte sich wieder an ihren PC. Ich lag weiter halb nackt auf der Liege. Nach einer gefühlten Ewigkeit fiel ihr wohl ein, dass ich immer noch dalag und ich durfte mich anziehen.
Bei den Nebenwirkungen hatte sie es mit der Grammatik nicht so ganz drauf. Sie sprach zwar deutsch, aber mit Akzent. Statt zu sagen, das und das könnte passieren sagte sie immer das und das "wird" passieren. Zum Beispiel "werde" ich eine stehende Brust bekommen, als ob ich ein Implantat drin hätte. (Aha?) Dann "werde" ich braune Flecken bekommen. Ich müsste dann halt schauen, dass ich einen Bikini finde, der das Meiste verdeckt. (Okay?) Außerdem ist die Strahlentherapie selbst krebserregend. Ich werde in 20-30 Jahren höchstwahrscheinlich wieder an Krebs erkranken, aber nicht in der Brust sondern in den Bronchien oder in der Leber.(Okaaaay???). Kurze Frage: "Wieso mach ich die Bestrahlung überhaupt????" Antwort: "Wir wollen den Krebs bekämpfen, den sie aktuell haben, was in den nächsten Jahren sein wird, weiß der liebe Gott." "Und was, wenn ich auf die Strahlentherapie verzichte?". "Dann haben sie eine Risiko von 50 Prozent, dass der Krebs wieder kommt." Jetzt begann sie unglaubwürdig zu werden, außerdem gab sie mir das Gefühl, dass sie von "mündigen" fragenden Patienten nicht viel hielt. Als sie dann wegen der Verordnung für das Taxi auch noch blöd machte und mich einfach nur für zu bequem hielt, war es bei mir vorbei.
Zuhause musste ich das Gespräch erst wieder verdauen. Ich holte mein schlaues "Überlebensbuch Brustkrebs" und las nach, was die Statistiken zur Bestrahlung sagten. In meinem Fall bringt mir die Bestrahlung gerade mal 15 Prozent mehr Überlebenschancen. Ich geb normalerweise nicht so viel auf Statistiken, aber in dem Fall ging es mir einfach nur darum, dass die Ärztin mich anscheinend für blöd genug hielt, ihr zu glauben. Daran, dass die Strahlentherapie selbst so krebserregend sein soll, hatte ich noch länger zu knabbern und auch keine Statistik gefunden.
Wegen dem Taxi suchte ich meinen Gynäkologen auf, der mir sofort die Verordnung ausstellte. Hätte ich mit dem Zug fahren müssen, wäre ich jeden Tag 2h und 15 Minuten unterwegs gewesen und hätte Rücken an Rücken oder Rücken an Bauch oder Bauch an Bauch mit anderen schniefenden Menschen gestanden- gute Idee!
Gut, beim nächsten Termin wurde ich eingezeichnet und tätowiert. Insgesamt waren es nur 15 Stiche, ganz mini kleine Punkte an sehr empfindlichen Stellen. Damit sie nicht auffallen hatten sie braune Tusche gewählt. Ich war zufrieden. Allerdings sollte die Zeichnung auf meinem Oberkörper eine Woche halten. Schon am Abend war die Hälfte der Sudelei an meinem Top und eine Woche später war kaum noch was zu sehen. Am CT wurde dann eine erste Simulation durchgeführt und am nächsten Tag sollte ich die erste Bestrahlung bekommen. Meine Bestrahlungstermine sind jetzt jeden Tag um 8 Uhr. Das ist am Morgen etwas stressig, dafür bin ich meistens schon um 8:30 Uhr wieder Zuhause.
Ok, ich komme an und darf gleich als Erste in die Umkleidekabine und den Oberkörper frei machen. Dann spaziere ich mit einem Tüchlein bedeckt in den Bestrahlungsraum und darf mich auf die Bank legen. Dann werde ich an verschiedenen Stellen geschoben und gedrückt, bis ich richtig plaziert bin. Die Bestrahlung selbst dauert ca. 5 Minuten. Mir ist da immer sehr kalt. Kein Wunder, dass ich mit den Leuiten nicht so recht warm werde. Bei den ersten Malen hatten sie Schwierigkeiten meine Tätoos zwischen meinen Leberflecken zu unterscheiden. Zum Schluss standen drei Leute mitsamt Ärztin da und diskutierten, welches die richtigen Punkte sind. Ich hatte zweimal gesagt: "Ich weiß, welches die Punkte sind, ich zeig`s Ihnen!" Das kam leider nicht so gut an, denn ich bekam gleich eine schnippische Antwort: "Das machen wir lieber selber!".
Mittlerweile halte ich mich daran, nur noch "Hallo" und "Tschüß" zu sagen, für Spässle sind die hier nicht zu haben. Ich hab meine Habseligkeiten für die Bestrahlung jetzt in eine Stofftasche des Diakoniekrankenhaus gepackt und laufe damit durch die Gänge. Ein bisschen Konkurrenzdenken kann in dem Laden nicht Schaden.
Jeden Freitag habe ich noch ein Arztgespräch. Diesmal hatte ich mich gewappnet und wollte die Ärztin wegen der Statistiken zur Rede stellen. "Leider" war SIE heute verhindert und eine junge Ärztin vertrat sie. Kurzum, die war nicht so abgebrüht, wie die erste und sie bestätigte mir, dass das mit den 50 % nicht stimmt. Deshalb nahm ich meinen Mut zusammen und fragte, ob sie mich nicht weiter betreuen kann. Und es Klappte! Bin so froh!
Jetzt habe ich schon 11 von 30 Bestrahlungen hinter mir und schaffe es vielleicht noch vor Weihnachten fertig zu werden. Mittlerweile wird die Haut ganz leicht gerötet, ansonsten bin ich nur müde. Wenn ich aber so in die Gesichter schaue, geht es vielen so bei so viel Novemberrain.
Manches was sich geschrieben so positiv anhört, war für mich in dem Moment nicht so witzig. Erst im Nachhinein kann ich viele Dinge leichter sehen und mich über manche Situationen sogar amüsieren. Das ist das heilsame beim Schreiben, denke ich.
Mein Äußeres
Seit Mitte Oktober bin ich oben ohne unterwegs und habe meiner Perücke und den Tüchern Adee gesagt. Ich muss sagen, dass mir die kurzen Haare ganz gut gefallen. Die Haarfarbe ist noch etwas undefiniert, kann man aber tönen. Dominik findet, ich sehe aus wie eine "Emanze". Damit hat er mir wahrscheinlich ungewollt ein Kompliment gemacht. Meine Cortisonpfunde bin ich auch schon wieder los geworden (6 kg in 3 Monaten) so dass ich mich in meiner Haut und meinen Haaren wieder richtig wohl fühle. Ein Außenstehender hält mich wahrscheinlich eher für eine "Emanze" als für eine Frau, die gerade Chemo hinter sich hat. DIe OP hat mich jetzt auch nicht entstellt.
Samstag, 13. Oktober 2012
Newsletter 11: Das dicke Ende vom dicken Ende
wird mal wieder Zeit, dass ich die letzten sechs Wochen aufarbeite und diesmal ganz der Reihe nach:
Die Chemo verlief an jenem Freitag nach Plan (nur 80 %-Dosis) so dass ich am Freitag zuhause noch das Chaos der Woche beseitigen und am Samstag packen konnte. Am Abend waren wir noch auf einem Grillfest bei Nachbars eingeladen und um 24 Uhr sollte es losgehen in den Norden.
Die Fahrt verlief soweit gut, so dass wir schon um 9:30 Uhr in Büsum am Strand saßen, das Wattmeer vor unseren Augen. Louis konnte nicht begreifen, dass das der Strand sein sollte von dem wir ihm immer vorgeschwärmt hatten. Nachdem ich ihn darüber aufgeklärt hatte, dass es sich bei den Erdhügelchen um Kacka von Wattwürmern handelte, konnte er sich nicht mehr für das Watt begeistern.
Am Nachmittag holten wir in St. Peter Ording den Schlüssel zur Ferienwohnung und räumten erst mal ein. Ich war hundemüde, hatte Kopfschmerzen durch den Schlafmangel und konnte mich kaum noch aufrecht halten. Als ich den Kulturbeutel auspackte viel mir der Fieberthermometer in die Hand und ich steckte ihn mir spasseshalber mal in den Mund: 38,2 Grad, uuups, oh nein! Was jetzt? Das kommt bestimmt noch von der Chemo oder der Anstrengung des letzten Tages. Insgeheim habe ich mich über meinen Dickkopf geärgert, dass ich nicht auf die Ärzte gehört habe. Ich entschied mich erst einmal Ruhe zu bewahren, zu beten und ins Bett zu gehen. Am nächsten Tag war das Fieber weg! Ich richtete den Frühstückstisch und die Geschenke für Louis. Die größte Überraschung des Tages war dann aber leider, dass Louis Fieber bekam und den halben Geburtstag auf der Couch verschlafen hat. Ich ging mit Jael in der Zeit Busfahren: St. Peter Ording rauf und wieder runter.....
Dienstag hielt das Fieber noch an und am Mittwoch bekam Jael Fieber so dass wir den halben Nordseeurlaub in der Ferienwohnung vor dem Fernsehen oder im Kinderhaus verbrachten. Das Wetter war eh nicht so prickelnd. Einmal waren wir in Ording am Strand und haben Drachen steigen lassen, so lange bis Jael wieder Fieber bekam. Insgesamt hatten wir aber trotzdem Freude an unserem Gammeldasein vor der Glotze.
Wieder vollständig regeneriert fuhren wir am Sonntag darauf an die Ostsee. Am Weissenhäuserstrand war es dann sehr kalt, so dass wir die meiste Zeit im Erlebnisbad verbrachten und leider nicht am Strand. Einmal waren wir in einem Eselpark und haben uns für eine Stunde eine Eselkutsche gemietet. Der Esel lief genau bis vor die Hofeinfahrt und nicht mehr weiter. Wir also auf die laminierte "Gebrauchsanweisung" geschaut:" Bitte den Esel nicht schlagen und nicht zu sehr ziehen und schon gar nicht füttern." Ich habe also mein Bestes versucht, dann kam Dominik an die Reihe. Nix ging und ich werde das Bild nie vergessen, wie Dominik mit allen Mitteln versucht hat den Esel von der Straße abzudrehen, damit der Linienbus durch konnte. Es war einfach nur zu komisch. Dann kam der Eselpfleger mit dem Radel um die Ecke, rief nur ein ermunterndes "Sina, hopp" und schon sprang der Esel los- so lange bis der Pfleger wieder ums Ecke war. Ah, so einfach geht das also. Wir haben dann also angefangen gut auf die Sina einzureden (die Nachbarn mussten uns für bekloppt halten)- egal, als eine halbe Stunde um war und wir gerade mal 30 m geschafft hatten wurde es mir zu blöd und ich packte meinen Apfel aus der Tasche und hielt ihn dem Esel bis zum Schluss unter die Nase. So haben wir doch noch eine Strecke zurück gelegt. Den Apfel hat die liebe Sina allerdings nicht mehr bekommen.
Gut, das war also unser Urlaub. Wir haben feststellen müssen, dass er leider nicht so erholsam war, dafür hatten wir eine gute Zeit als Familie. Die Erholung konnte ich ja dann im Krankenhaus nachholen. Schon am Dienstag wurde ich vorstationär aufgenommen und am Mittwochmorgen operiert. Dank meiner Rollvene hatte ich die schlimmsten Schmerzen, bis sie meinen Zugang gelegt hatten. Alles lief soweit gut. Ich bin gleich nach dem Aufwachen im Zimmer zum Topf spaziert und habe einen Apfel gegessen- hab mir nichts dabei gedacht. Die Schwester fand das später dann nicht so lustig und guckte mich nur ungläubig an.
Das Gesamtresultat sah im Grunde auch nicht schlecht aus, da der Tumor ja mehr unter der Achselhöhle als in der Brust lag.
Hier in der Frauenklinik wird gerade saniert. Ich lag im letzten Zimmer, hinter meinem Kopfende die Baustelle. Manchmal war es zu laut zum telefonieren und Fernsehschauen. Meine Zimmernachbarinnen kamen bald drüber raus- was mich dann schon fast amüsierte.
Apropos ich muss euch noch von Susanne erzählen. Susanne kenne ich aus unserer Gemeinde und sie gehört zum Freundeskreis meiner Eltern. Susanne hatte vor 5 Jahren die selbe Diagnose wie ich, weiter fortgeschritten zwar, aber eben gleiche Krebsart. Sie habe ich, als einige der Ersten, nach meiner Diagnose kontaktiert und um Rat gefragt. Sie hatte mir die Kontaktdaten von ihrem Operateur gegeben und zur Uniklinik geraten, wo ich schließlich auch gelandet bin. Als ich dann in der Uni zu meinen OP-Vorbereitungen war, mit meinem Laufzettel in der Hand, lief mir wieder Susanne über den Weg, die wegen ihrer Nachsorge in der Klinik war. Und als ich dann einige Tage nach der OP am Bahnhof stand, um mir in Freiburg den Port implantieren zu lassen, fuhr sie zufällig auch in die Stadt und klärte mich erst einmal darüber auf, dass mir heute eine richtige OP bevorsteht und was ein Port überhaupt ist. Ich war völlig unvorbereitet und dankbar für die Vorwarnung . Susanne kam während der Chemozeit immer wieder bei mir vorbei . Während der EM hatten wir während einer Liveübertragung auch mal ein gutes Gespräch über meine Ängste und wie sie mit ihren umgeht. Das hat mir sehr weiter geholfen. Ich bin der Überzeugung, dass nichts zufällig ist und so hat es Gott auch geschenkt, dass wir beide zur selben Zeit operiert werden sollten. Susanne hatte in diesem Sommer wieder starke Beschwerden, diesmal an der anderen Seite, so dass ihr ein Teil der Milchgänge entfernt werden mussten. Gott sei Dank- wissen wir heute, dass die Befunde gutartig waren. Tja, so lagen wir dann zusammen im Zimmer. Halb Ihringen war hier und am Freitagabend gab es zur Ibuhexaltablette auch noch Pizza und Rotwein- lange nicht mehr so gut geschlafen. Am Samstag durfte ich dann heim. An Susanne sehe ich, was ein Leben mit Krebs bedeutet: ein Auf und Ab, aber es auch so zu nehmen, wie es kommt und dankbar zu sein für jedes gesunde Jahr, das wir erleben dürfen.
So, jetzt habe ich wieder die Gabi für 8 Stunden am Tag, weil ich 3 Wochen nicht schwerer als 1 kg heben darf. Mit den Kindern wird es bei jedem Mal schwieriger. Louis und Jael haben immer mehr Trennungsängste und ich wäre froh, wenn langsam etwas Ruhe einkehren würde. Allerdings hatte ich 14 Tage nach der OP (diesen Mittwoch) dann einen Termin am Münsterplatz zur Wundkontrolle und Befundbesprechung. Die Ärztin sagte gleich, dass es gut war, dass sie operiert hätten, da tatsächlich noch Krebszellen im Gewebe vorhanden waren. Leider wurden in 2 Rändern(0,5 cm Sicherheitsabstand) noch veränderte Zellen gefunden, so dass ich nochmal operiert werden muss! Damit hatte ich gar nicht gerechnet! Ich hatte die Wahl zwei Wochen zu warten oder gleich am nächsten Tag operiert zu werden. Trotz Herbsttrubel Zuhause entschied ich mich für den nächsten Tag, weil sonst auch die Bestrahlung zu sehr in die Weihnachtszeit rutscht. Statt in die Stadt zum Bummeln musste ich anschließend wieder den halben Tag in die Uni fahren und die Voruntersuchungen und das Anästhesiegespräch über mich ergehen lassen.
Tja, und so liege ich heute (Freitag) wieder in der Frauenklinik, Station Hegar. Diesmal bin ich nicht ganz fit nach der Narkose und torkel durch die Gänge. Bin schon gespannt, was sie diesmal übrig gelassen haben bzw. wie groß das Loch ist. Warten wir mal ab, bald weiß ich mehr.
Heute (Samstag) geht es mir schon viel besser. Die Wunde sieht ganz gut aus, so dass die Drainage heute raus kann und ich morgen nach der Visite heim kann. Dank meines „Verhandlungsgeschicks“ (der Arzt verdreht schon die Augen) könnte ich auch heute Abend noch die Koffer packen oder morgen vor der Visite abhauen. Morgen ist in der Gemeinde das Erntedankfest, das mag ich nicht verpassen.
Wenn ich nicht nochmal operiert werden muss, bekomme ich in den nächsten 3-6 Wochen die erste Bestrahlung.
Bis dahin wünsche ich euch einen leuchtenden Herbst
Kerstin
Ps. Meinen hässlichen Tiefpunkt habe ich zum Glück überwunden und die Wimpern und Augenbrauen wachsen nach. Ich hoffe nur noch, dass das Haar auch dichter wird und nicht so licht bleibt wie bisher.
Sonntag
Konnte tatsächlich gestern abend noch das Weite suchen, als eine blutende Frau mit kleinem Baby eingeliefert wurde. Ich zeigte meine mitleidige Seite und bot dem Ehemann mein Bett an. Letztendlich waren die Familie und K-Schwestern ganz glücklich über mein Angebot und erst recht ich selbst. Adieu Krankenhaus- hoffentlich auf nimmer Wiedersehen!
Mittwoch, 5. September 2012
Newsletter 10: Das dicke Ende
Ihr Lieben,
wie ihr alle wisst, sollte heute meine letzte Chemo sein. Ich habe bis vor zwei Wochen mit der Buchung unseres Urlaubs gewartet: eine Woche St. Peter Ording und im Anschluss eine Woche am Weissenhäuserstrand.
Samstagnacht sollte es losgehen, so dass wir am Montag ganz entspannt Louis Geburtstag im Urlaub feiern können. Er freut sich schon seit Wochen darauf und auch Dominik und ich sind voller Vorfreude, nach zwei Jahren Umbau, Schwangerschaft und Chemo endlich wieder mal Zeit mit der ganzen Familie zuhaben. Am 26.September steht schon die nächste Op an. Soweit so gut.
Dominik wurde dann letzten Mittwoch übel und lag fast zwei Tage nur im
Bett. Ich habe versucht die Kinder und mich so gut es geht von ihm fernzuhalten.
Letzte Samstagnacht hatte ich einen seltsamen Schlaf und am Morgen
gribbelten mir die Fußsohlen. Oh nein, dachte ich, jetzt bekomme ich
doch noch einen Denkzettel an die schöne Chemozeit. Musste in der letzten
Woche auch feststellen, dass ich so langsam Gedächtnislücken bekomme und
am Abend schon nicht mehr weiss, was ich am Morgen gemacht habe. Beim
Aufstehen merkte ich, dass es mir auch sonst etwas schummrig war.
Deshalbging ich gleich mal ins Bad, um Fieber zu messen. 38,2 Grad, na
das gehtja noch! Vielleicht ist es bis heute Mittag zur Hochzeit ja
wieder weg. Aber moment mal, ich muss doch sofort in der Uni anrufen,
wenn ich über38 Temperatur habe. Ich, also die Notfallnummer gewählt.
Die Dame meinte freundlich, dass ich meine Sachen packen und gleich
vorbei kommen sollte. Ich fragte nur, ob es denn so schlimm sei?! "Na,
sie sind gut! Sie bekommen Chemotherapie und haben Fieber, das ist immer
ernst!" "Aha!" Gut, wir also die Sachen gepackt, die Kinder verteilt und
in die Uni gefahren. Nach meiner Vorstellung war klar, dass ich für zwei
bis drei Tage bleiben muss und Antibiotika bekommen würde. Ok, dachte
ich, das kriegen wir dann ja noch alles mit der Chemo hin. Leider bekam
ich Sonntag höheres Fieber und auch Montag blieb der Thermometer bei 39
Grad hängen. Die Blutwerte waren soweit in Ordnung, den Ärzten war es
ein Rätsel. Dann hieß es, dass die Chemo so diese Woche nicht
durchgezogen werden kann und dass ich noch länger bleiben müsste.
Ich war kurzzeitig echt verzweifelt, aber fest davon überzeugt, dass das
Fieber morgen weg ist. Der Arzt hat mich total unverständig angeschaut
und gesagt: "Das können Sie nicht beeinflussen!" Ich darauf: "Doch,
irgendwie kann ich das schon." Ich wollte es Louis nicht antun, ihn
wieder zu vertrösten. Deshalb wollte ich persönlich mit der
Stationsoberärztin der Chemoambulanz sprechen. Gestern war das Fieber
tatsächlich weg und ich konnte die Ärztin davon überzeugen, dass ich die
Chemo am Freitag noch bekommen soll, wenn die Blutwerte am Donnerstag
stimmen.
Gut, jetzt darf ich also morgen heim! Ich vermisse meine Kinder sooooo!
Für Dominik waren das auch wieder anstrengende Tage. Morgens arbeiten,
nachmittags die Kinder. Jael wurde von 8:30 Uhr bis 12:30 Uhr wieder von
einer neuen Dorfhelferin betreut und bis um 14 Uhr haben wir sie sonst wo
verteilt. Ausgerechnet diese Woche ist meine Schwägerin nach Ägypten
und ein Teil meiner Familie nach Spanien zur Hochzeit meines Cousins
verreist. Wenn diese Woche rum ist und wir am Wochenende im Auto sitzen, mache ich
drei Kreuze.
Das Zimmer im Krankenhaus habe ich mit Oma Lemke aus Merdingen und einer
schrulligen alten Frau Morthon geteilt. Hut ab vor Frau Lemke! Die Frau
hat echt Humor. Zuerst dachte ich, dass sie nichts versteht, weil sie
nie ein Wort geredet hat, aber das war wohl ihre Taktik. Frau Morthon
war "Stehts bemüht" ALLES selber zu machen und Frau Lempke zu bemuttern
nicht ohne den Schwestern bei jedem Rundgang zu sagen, was sie alles
alleine geschafft hat, was Frau Lemke gesagt, weiviel sie getrunken und
was Frau Lempke in der Nacht alles angestellt hat und was ihre Tochter
für ne Superfrau ist.... Üble Sache. Ich kann eigentlich viel ertragen,
aber bei der Frau musste ich mich total beherrschen. Ich war so dankbar
für den Paravant, den eine Schwester irgendwann zwischen uns aufgebaut
hat. Zwei total gegensätzliche Frauen in fast gleichem Alter: die eine
musste schon um 6 Uhr ihren Kaffee haben,war den ganzen Tag nur mit
ihrer Köperhygiene beschäftigt und ging den ganzen Tag ihren Mitmenschen
auf die Nerven, mit ihrem Gejammere über ihr Aussehen. Die andere Frau
musste auf den Topf gesetzt werden, musste dort in "aller Öffentlichkeit"
ihre Notdurft verrichten und sich dabei noch blöde Sätze der Schwestern
anhören und trug das mit Humor und Würde. Niemals ein unfreundlicher Ton
oder eine Beschwerde. Unglaublich schön die Frau, mit weißem lockigem
Haar und gütigen, lachenden Augen eine "Bilderbuchoma" sozusagen.
Jedenfalls war Frau Morthon am Dienstag entlassen worden und kaum war
sie fort, konnte Frau Lempke reden. Hab sie gleich heute Nachmittag auf
einen Kaffee in den Park eingeladen. Bis sie aber auf dem Topf und
angezogen war, ihre Infusion noch hatte und im Rollstuhl saß war es
16:30 Uhr und die Sonne leider schon weg gewesen..
Bei meinen zwei Zimmergenossinnen muss ich an ein Buch denken, das ich
gerade gelesen habe. Da ging es um die unterschiedlichen Lebensphasen,
wie Sturm und Drang, Mitlife-Crises und die Lebenskrise ab 65 J. in der
es darum geht loszulassen. Meine beiden Zimmergenossinnen sind alt, die eine hat ihre
Lebenkrise schon überwunden, die andere kann einfach noch nicht loslassen
und macht alle drum herum verrückt. Menschen mit lebensbedrohlichen
Krankheiten machen diese Lebenskrise ab 65. meiner Ansicht nach früher
durch und sind damit mehr oder weniger erfolgreich. Gerade wurde das
Bett von Frau Morthon wieder belegt. Eine Frau mit 60 Jahren, bei der im
August bei einer Routineuntersuchung Krebs diagnostiziert wurde. Sie und
die ganze Groß-Familie sind total aufgelöst und panisch. Ich bin einfach
nur froh, dass ich mich mit dem Thema "Loslassen" schon viel früher
einmal auseinander gesetzt habe, so dass ich nicht in so eine
Schockstarre gefallen bin: Mensch- bedenke, dass du sterben musst, auf
dass du klug wirst!
Habe am Samstag und Sonntag nur geschlafen, am Montag nur gelesen und am
Dienstag Fernseh geschaut u.a. ein Interview mit Samuel Koch. Ich hab
von dem jungen Mann noch nicht so viel mitbekommen. Weil wir doch keinen
Fernseher Zuhause haben, hab ich ihn das erste mal gesehen. Auf
jedenfall einfach krass, wie er sein Schicksal in die Hand nimmt. So
jemand bewundere ich.
Wie gesagt habe ich am Dienstag Fernseh geschaut und mich auf den
Sat1-Film gefreut. Ausgerechnet an dem Abend musste ein Film kommen, in
dem es darum geht, dass die Frau, die Krebs hat, noch bis zum Geburtstag
ihrer Tochter leben möchte, den Tag noch erlebt und dann tatsächlich
stirbt. Danach kam noch eine Reportage über betroffene Frauen. Mir sind
von Anfang bis zum Ende die Tränen gelaufen. Ich war voll verheult, als
die Nachtschwester ihre Runde gemacht hat. Heute morgen hat mich die
Morgen-schwester angesprochen und gemeint, dass ich ziemlich Urlaubsreif
wäre, von der Psyche her. Wieso? habe ich gefragt, worauf sie meinte,
dass sie es bei der Übergabe davon gehabt hätten.....mir wird gerade erst
klar,wie die Schwester drauf gekommen ist.
Apropos Schreiben. Ich habe gelesen, dass es extra Schreibwerkstätten
für Krebspatienten gibt. Merke langsam auch, dass der Newsletter für
mich auch eine Art Therapie ist. Ich mache mir im Alltag oft Notizen
über Dinge, die mich gerade beschäftigen und dann in einer ruhigen
Minute mache ich mir meine Gedanken darüber und schreib sie auf- mache
mir weniger Gedanken darüber, ob es euch interessieren könnte, sorry.
Aber es interessiert euch doch bestimmt, was aus meinem Chemotaxi
geworden ist?
Also, das letzte Mal als ich Chemo hatte ist mir kühler Wind um die Nase
geblasen. Ich hab mich gewundert, hab aber nix gesagt. Dann erzählt mir
der Taxi-Fahrer aber, dass er zu seinem Chef gegangen ist und gemeint
hat, dass sie bei dem Autokauf vor drei Jahren einen Fehler gemacht
hätten, weil sie auf die Klimaanlage verzichtet hätten. Darauf meinte
sein Chef: Wieso- das Auto hat doch Eine! Wunderbar! Ich könnte mich
wegschmeißen vor Lachen.
Donnerstag 06:38 Uhr
Oh Mann, das war eine Nacht! Bin froh, dass ich heute heim darf! Gestern
Abend ist das Handy der Dame bis 22 Uhr nicht mehr still gestanden. Die
Schwester hat mit ihr die OP-Planung besprochen, gesagt, dass sie morgen
ungeschminkt als erste am Morgen auf dem OP-Tisch liegen wird. Die Dame
brauchte dann gestern Abend eine Stunde, bis sie sich an ihrem kleinen
Tischspiegelchen abgeschminkt, gecremt, gezupft und ihren Schmuck
abgenommen hatte. Dann hat sie ihren Kimono angezogen und Ewigkeiten ihre
Kleider sortiert. Heute morgen um 5:45 Uhr stand sie auf, um sich zu
waschen, ihre 2cm-Frisur zu föhnen und wieder ihre Kleider zu sortieren.
Die Frau ist somit sich selbst beschäftigt, dass sie für andere drum
herum kein Gespür mehr hat. Die Dame bestätigt meine Theorie über die
Lebenskrise voll!
So jetzt geh ich mal duschen....
11.30 Uhr
Endlich Zuhause! Morgen Chemo, wie geplant und dann Tschüß!
Sonntag, 12. August 2012
Newsletter 09: Chemoalltag
Hallo ihr Lieben,
für alle "Zurückgelassenen" dieses Sommers gibt es wieder mal was zu lesen:
Was gibt es Neues? Im Grunde nichts. Die Chemo gehört mittlerweile voll zum Alltag dazu. Sogar die blonde Assistenzärztin sticht jetzt, ohne mit der Wimper zu zucken (ich mag sie jede Woche mehr). Als ich letzte Woche ging, war ein Nachbarsjunge da und fragte, wohin ich denn gehe, da meinte Louis ganz beiläufig während er seinen Sandkuchen baute "zur Chemotherapie".
Abends bin ich immer völlig Platt, aber schon am nächsten Morgen bin ich wieder voll auf den Beinen. Die ersten Wochen bin ich von dem Cortison abends nicht mehr runter gekommen und konnte nächtelang nicht schlafen. Am Ende hab ich mich so sehr reingesteigert aus Panik vor der Nacht, dass ich jetzt Antidepressiva nehme, um abends die Kurve zu bekommen. Ab 20 Uhr ist mit mir jetzt nicht mehr viel anzufangen. Deshalb steh ich früher auf und lauf ne Runde auf meinem Crosstrainer bei frisch machender Pink-Punk-Rockmusik.
Gabi ist die letzten 8 Wochen jeden Mittwoch mit den Kiddies ins Schwimmbad gegangen- jedes Mal das schönste Wetter. Wenn ihr für ein Vorhaben schönes Wetter braucht- nehmt den Mittwoch, den habe ich noch vier Wochen so bestellt!
Einmal war es so heiß, dass ich nach der Taxifahrt (ohne Klimaanlage) 38 Grad Fieber hatte und erst bis 37,5 abkühlen musste, damit ich antreten konnte. Armer Taxifahrer. Vielleicht sollte er an heißen Tagen einfach den Fieberthermometer mitnehmen und sich bei 38 Grad Körpertemperatur krank schreiben lassen. Vielleicht sieht es sein Arbeitgeber dann ein, ihm ein Taxi mit Klimaanlage bereit zu stellen. (Das muss ich ihm nächstes Mal unbedingt vorschlagen...)
Wir haben in der letzten Zeit Dominiks und Jaels Geburtstag gefeiert. Es waren sehr schöne Abende, trotz Cocktails in alkoholfreier Variante für mich. Ansonsten haben wir das schöne Wetter im Schwimmbad, auf dem Mundenhof und auf der Sommernachtsparty genossen, gell Ina?
Gabi ist leider nur noch eine Woche da und hat dann drei Wochen Urlaub. Danach kommt evtl. "die Andere" zurück- seuft. Dominik wird dann den Rest der Chemo Halbtags arbeiten. Danach wollen wir für zwei Wochen an die Ostsee, bevor die OP ansteht.
Auf ein Wort (für, die die es mal wissen wollen)
Ich habe auf die letzte Mail mit der "Story vom Pferd" viele unterschiedliche Rückmeldungen von euch bekommen. Viele bewundern meine "innere Kraft" und meinen Glauben und zum Teil sind die Vorstellungen von dem, was ich glaube nicht ganz klar. Außerdem habe ich mitbekommen, dass auch Leute, die mich nicht kennen meine Newsletters lesen. Deshalb ein kleines Wort dazu, oder wenn wir schon mal dabei sind ein kleines "Gleichnis":
für alle "Zurückgelassenen" dieses Sommers gibt es wieder mal was zu lesen:
Was gibt es Neues? Im Grunde nichts. Die Chemo gehört mittlerweile voll zum Alltag dazu. Sogar die blonde Assistenzärztin sticht jetzt, ohne mit der Wimper zu zucken (ich mag sie jede Woche mehr). Als ich letzte Woche ging, war ein Nachbarsjunge da und fragte, wohin ich denn gehe, da meinte Louis ganz beiläufig während er seinen Sandkuchen baute "zur Chemotherapie".
Abends bin ich immer völlig Platt, aber schon am nächsten Morgen bin ich wieder voll auf den Beinen. Die ersten Wochen bin ich von dem Cortison abends nicht mehr runter gekommen und konnte nächtelang nicht schlafen. Am Ende hab ich mich so sehr reingesteigert aus Panik vor der Nacht, dass ich jetzt Antidepressiva nehme, um abends die Kurve zu bekommen. Ab 20 Uhr ist mit mir jetzt nicht mehr viel anzufangen. Deshalb steh ich früher auf und lauf ne Runde auf meinem Crosstrainer bei frisch machender Pink-Punk-Rockmusik.
Gabi ist die letzten 8 Wochen jeden Mittwoch mit den Kiddies ins Schwimmbad gegangen- jedes Mal das schönste Wetter. Wenn ihr für ein Vorhaben schönes Wetter braucht- nehmt den Mittwoch, den habe ich noch vier Wochen so bestellt!
Einmal war es so heiß, dass ich nach der Taxifahrt (ohne Klimaanlage) 38 Grad Fieber hatte und erst bis 37,5 abkühlen musste, damit ich antreten konnte. Armer Taxifahrer. Vielleicht sollte er an heißen Tagen einfach den Fieberthermometer mitnehmen und sich bei 38 Grad Körpertemperatur krank schreiben lassen. Vielleicht sieht es sein Arbeitgeber dann ein, ihm ein Taxi mit Klimaanlage bereit zu stellen. (Das muss ich ihm nächstes Mal unbedingt vorschlagen...)
Wir haben in der letzten Zeit Dominiks und Jaels Geburtstag gefeiert. Es waren sehr schöne Abende, trotz Cocktails in alkoholfreier Variante für mich. Ansonsten haben wir das schöne Wetter im Schwimmbad, auf dem Mundenhof und auf der Sommernachtsparty genossen, gell Ina?
Gabi ist leider nur noch eine Woche da und hat dann drei Wochen Urlaub. Danach kommt evtl. "die Andere" zurück- seuft. Dominik wird dann den Rest der Chemo Halbtags arbeiten. Danach wollen wir für zwei Wochen an die Ostsee, bevor die OP ansteht.
Auf ein Wort (für, die die es mal wissen wollen)
Ich habe auf die letzte Mail mit der "Story vom Pferd" viele unterschiedliche Rückmeldungen von euch bekommen. Viele bewundern meine "innere Kraft" und meinen Glauben und zum Teil sind die Vorstellungen von dem, was ich glaube nicht ganz klar. Außerdem habe ich mitbekommen, dass auch Leute, die mich nicht kennen meine Newsletters lesen. Deshalb ein kleines Wort dazu, oder wenn wir schon mal dabei sind ein kleines "Gleichnis":
Stellt euch vor, ihr macht einen Fahrradausflug nach Breisach. Ihr genießt die schöne Landschaft und achtet nicht so sehr auf den Weg, aber plötzlich- was war das? Vor dir geht ein schwarzer Strich quer über den Radweg. Du machst langsam und erkennst immer mehr, dass das eine Ameisenstraße ist. Zu blöd, da gehen ja jedesmal ein paar Kaputt, wenn ein Radfahrer kommt. Du bist ein tierlieber Mensch, deshalb holst du dir ein paar Stöckchen und versuchst die Ameisen umzuleiten und Ihnen Steine in den Weg zu legen, damit sie umdrehen. Zuerst sind die Ameisen verwirrt und drehen um, aber keine Minute später krabbeln sie über das Hindernis drüber und gehen weiter in dei falsche Richtung. DU gibst nicht auf und versuchst dich schriftlich zu verständigen. Aber keine Chance. Im Grunde gibt es nur ein: du wirst selbst eine Ameise und hoffst, dass dir jemand glaubt und dich nicht für verrückt hälst.
So, mit dieser Perspektive lest mal das Evangelium von Johannes in heutigem deutsch. Da steht in Kapitel.: <Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.> Für mich heißt Glauben nicht irgendwelche religiöse Rituale zu erfüllen oder ein bestimmtes Gebet regelmäßig zu beten und meinen Gott gnädig zu stimmen. Gott war mit mir schon gnädig, weil er Jesus zu uns Menschen geschickt hat. Ich glaube an Jesus, dass er gelebt hat und wieder auferstanden ist, jeden Tag bei mir ist und wiederkommt. Und ich glaube, dass Gott mich liebt, wie ein Vater sein Kind. Mein Glaubensfundament ist die Bibel und ich bin froh ein solches Fundament zu haben, indem Gottes Wort steht und das viele Vorbilder für meine Situation parat hat.
Soweit reicht es mal. Ich hoffe, dass ihr damit was anfangen könnt, falls nicht, fragt nach.
Ganz liebe Grüße auch an die Arbeitsfront
Kerstin
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