Dienstag, 3. Juli 2012

Newsletter 08: Die Story vom Pferd

Hallo ihr Lieben,
mittlerweile habe ich nur noch 10x Chemo vor mir und ich scheine sie gut
zu vertragen. Bisher konnte ich das schöne Wetter und die lauen Sommernächte voll genießen und das stimmt mich fröhlich.

Nach der Chemo am Mittwoch schlafwandel ich zum SWR4-Taxi und setze meinen
Schlaf dann im Bett fort. Nachts ist dann wieder vorbei mit Schlafen, da mich das Cortison aufpeitscht. Diese "Hyperaktivität" hält dann bis zum
Wochenende an, so dass ich dann am Montag vor lauter Schlafmangel in den Seilen hänge. Mein Magen ist langsam auch beleidigt, aber alles noch im erträglichen Rahmen. Während der Infusion lege ich meine Finger auf EIS, ein Versuch, dass die Nerven an den Fingerspitzen nicht angegriffen werden.

Gabi
Meine Dorfhelferin hält mich derweil auf Trapp. Wir gärtnern zusammen,
entrümpeln und experimentieren neue Kochrezepte. Immer, wenn ich etwas im Kopf habe, rennt sie gleich los und unterstützt mich: "alles, was dir gut tut, Kind" Wir haben viel Spass zusammen und haben einiges zu Lachen. Am Weinfest-Wochenende haben wir beide meinen ganzen Krempel und noch Altlasten von den Vorgängern vor die Türe gestellt und ein Flohmarktschild ans Tor gehängt. Ich habe 300 Euro eingenommen und bin viele hässliche Sachen losgeworden. Das beschwingt- Jetzt habe ich noch eine dekorative Weinpresse im Keller stehen, falls einer von euch Interesse hätte...
Tja, also Gabi ist ein Schatz und macht alles, wozu ich keine Lust habe- sprich, den ganzen Haushalt ;o) So habe ich mehr Zeit und Kraft für meine Kinder und meine tausend Ideen. Ein Hoch auf die Krankenkasse, die sowas noch finanziert.

Krise
Nach der letzten von 4 Chemos hatte ich eine Bronchitis, so dass ich voll ausgebremst war und kaum vor die Türe konnte. Nach zwei Wochen habe ich dann zweifach Antibiotikum bekommen und musste dann trotzdem zur 1. Taxolchemo antreten. Meine Stimmung war am Tiefpunkt. Ich hatte riesigen Respekt vor der neuen Chemo, die mich evtl. 12 Wochen
lahm legt und Langzeitnebenwirkungen mit sich bringen kann. Deshalb hab ich mich wieder mal näher mit meiner Diagnose befasst und mir einen dicken Wälzer gekauft. Die Frage, war für mich schon, ob das denn alles sein muss und ob es keine Alternativen gibt.
Die nähere Beschäftigung damit hat mich dann aber ziemlich deprimiert.
Die Statistik sieht bei "dreifachnegativem Brustkrebs" insgesamt keine
guten Überlebenschancen und das schwarz auf weiß zu lesen macht nicht gerade fröhlich. Jetzt läuft die Taxol-Chemo aber gut an und dann wurde bei meinem letzten Kontrolltermin auch noch festgestellt, dass der Tumor schon verschwunden ist! Das war auch für meinen Prof. erstaunlich und er meinte, dass mein individuelles Rückfallsrisiko nach der Chemo gering ist.
Puuuh-das waren mal wieder gute Neuigkeiten. Vor allem bin ich happy, dass ich soweit den Sommer genießen und nicht daheim liegen muss. Der weitere Plan ist der: nach der Chemo zwei Wochen Pause- danach OP- danach wieder 2 Wochen Pause und dann 5 Wochen Bestrahlung. Ende November wäre ich mit allem durch.

Bei meiner letzten Chemo hatte ich wieder eine Begegnung mit einer älteren Dame aus dem Schwäbischen. Sie erzählte mir von ihrer Diagnose und wie es bei ihr alles gelaufen ist. Am Ende meinte Sie, dass sie jetzt 80 Jahre alt ist und eigentlich nie etwas hatte und warum ausgerechnet sie noch Krebs bekommen musste !!!?? Schon schlimm, oder...?
Wollte euch zum Schluss noch eine "Story vom Pferd" erzählen, die ich mal in einer Predigt gehört habe. Ich hab mir die Geschichte gemerkt und aufgeschrieben....>

In einem chinesischen Dorf lebte ein Bauer, der ein prächtiges Pferd
besaß. Alle beneideten ihn um dieses Pferd. Wenn sie ihn trafen sagten Sie zu ihm: "Was hast Du für ein Glück mit diesem Pferd." Doch der Bauer
antwortete gelassen: "Ob es Glück ist? Wer weiß es?"
Eines Tages lief ihm das Pferd davon. Nun kamen die Menschen im Dorf und
sprachen ihr Mitleid aus: "Was hast Du für ein Pech." Doch der Bauer
antwortete gelassen: "Pech oder Glück? Gut oder schlecht? Wer weiß es?".
Einige Tage später war das Pferd plötzlich wieder da. Mit ihm im Gefolge
kamen drei Wildpferde. Die Dorfbewohner rieben sich die Augen und waren
sehr verwundert: "Was hast Du für ein Glück!". Wieder antwortete der
Bauer: "Pech oder Glück? Gut oder schlecht? Wer weiß es?".
Der Bauer hatte einen Sohn. Und dieser versuchte am nächsten Tag eines
der Wildpferde zu reiten. Doch dieses warf ihn ab und dabei brach sich der
Sohn ein Bein. Die mitfühlenden Dorfbewohner spendeten abermals ihr Mitleid: "Was hast Du für ein Pech. Jetzt kann Dir Dein Sohn nicht bei den
Feldarbeiten helfen und Du musst ganz alleine alles schaffen." Doch der Bauer erwiderte nur: "Pech oder Glück? Gut oder schlecht? Wer weiß es?".
Am nächsten Morgen kamen die Soldaten des Kaisers ins Dorf. Sie
rekrutierten junge gesunde Männer für die Armee, die für den Kaiser in den Krieg ziehen sollte. Als sie den Sohn des Bauern mit seinem gebrochenen Bein sahen, ließen sie ihn im Dorf zurück. Die anderen jungen Männer des Dorfes mussten mit den Soldaten in den Krieg ziehen und kamen nie wieder zurück


Es ist doch oft so, dass Vieles erst im Nachhinein einen Sinn macht und dass man in den schwierigen Zeiten einfach vertrauen muss, dass Gott den Überblick hat und nur das Beste für einen will.

Seid lieb gegrüßt von
Kerstin

ps. Das Flohmarktfieber hält an. Am Samstag ist in Breisach Riesenflohmarkt. Musste feststellen, dass ein Chemotuch beim Verhandeln durchaus Vorteile hat ;o)

Freitag, 1. Juni 2012

Newsletter 07: Chemohalbzeit

Meine Lieben, 

ja, ich habe tatsächlich schon meine Chemohalbzeit und das schreckliche EC mit der Übelkeit hinter mir. So schnell vergeht die Zeit, wenn man immer von Chemo zu Chemo lebt.  Ich warte im Grunde nur noch auf die Muskelschmerzen, die ich bisher immer am vierten Tag bekommen habe und hoffe, dass ich mich nach dem Wochenende wieder soweit erholt habe.

Ich habe die letzten zwei Wochen vor der Chemo und auch das Pfingstwochenende sehr genossen. Wir waren ja am Bodensee in Überlingen und waren viel baden. Insgesamt merke ich aber, dass meine Kräfte doch weniger werden. Auch meine Walkingstrecken musste ich vom Berg in die Ebene verlagern und auf ne 3/4 h am Tag verkürzen, sonst schaff ich es nicht mehr heim. Die Blutwerte sinken auch so langsam in den Keller, so dass ich am Dienstag noch nicht wusste, ob ich die Chemo bekommen kann. Es hat aber geklappt ;o)
Ich empfinde es immer als eine Gradwanderung, wieviel ich mir jeden Tag zumuten kann und wo meine Grenzen sind- meistens merke ich es erst am Abend. Bin aber trotzdem frohen Mutes, und dankbar, dass ich soviel machen kann.

Ab dem 19.06. bekomme ich dann wöchentlich Taxol, ein Spindelgift, sehr alkoholhaltig, was ziemlich in die Nerven und Fingerspitzen geht. Die Nebenwirkungen verstärken sich dann von Woche zu Woche, so dass ich hoffe, die ersten Wochen ohne große Einschränkungen zu leben. Ich hoffe auch noch so lange es geht töpfern zu können oder bete erst gar keine Nebenwirkungen zu bekommen.

In meinem Ort gibt es jetzt noch eine junge Frau mit Brustkrebs und einem einjährigen Kind. Ich überlege mir, ob ich mich mal mit ihr in Verbindung setze. Ich hab auch diesmal in der Klinik wieder nur ältere Damen um mich gehabt, die alle eine andere Art Brustkrebs und andere Therapien haben und zum größten Teil nur am Jammern sind. Wenn ich mir vorstelle mit solchen Frauen meine Reha verbingen zu müssen, verzichte ich auf die Reha nach der Behandlung und mache mir lieber einen schönen Urlaub mit meiner Familie.

Ich hab nicht sonderlich viel erlebt und bin zu müde zum schreiben, deshalb nur zwei kleine Anekdötchen zum Schluss:

Als wir an der Jugendherberge aus dem Auto ausgestiegen sind, hatte ich nur ein kleines Käppchen an und war auch nicht geschminkt oder "schön zurechtgemacht", weil wir gerade aus dem Thermalbad kamen. Auf jeden Fall kam doch tatsächlich ein 20-Jähriger Bursche an mir vorbei gelaufen und meinte: "Oh je, jetzt kommen die Toten!" Ich war total baff und dachte ich hätte mich verhört- kann es sowas geben? Wohl schon. In solchen Momenten bereue ich es, niemals einen Kampfsport erlernt zu haben. Hätte große Lust gehabt....

Dank meines Taxibringdienstes höre ich das erste Mal in meinem Leben SWR4, meine Eltern sind auch noch eine andere Generation, so dass ich mit dem Sender noch nicht viel in Berührung kam. Mein älterer Taxifahrer steht auf jeden Fall voll darauf und summt gelegentlich auch mit, so gondeln und swingen wir am Morgen als nach Freiburg. Manchmal bin ich genervt von den holen Texten: "Lousianas Lady's wild und schön, lassen keinen Mann, lassen kein Glas stehen..." Dann denke ich wieder, vielleicht sollte ich auch Schlagertexterin werden und einen Song für mein geliebtes Taxi schreiben: "in den Polstern hängt der Rauch, für ne Chemofahrt reicht es aber völlig aus...."
Auf der Heimfahrt, als mir schon ganz schlecht war und ich die Augen zumachte kam dann der Weisheit letzter Schluss: "Take it easy, nimm's leicht auch wenn's für heut mal wieder reicht..." Genau das tut es auch.

So denn euch ein schönes Wochenende und vielen lieben Dank für eure Karten und Antworten auf meine Newsletter auch für die leckeren Erdbeeren und und und. Ich freue mich immer wieder von euch zu hören und was bei euch so los ist.

Liebe Grüße
Kerstin



Dienstag, 8. Mai 2012

Newsletter 06: Jesus loves me

Meine Lieben,

es ist 4 Uhr morgens nach der III. Chemo und ich liege wach. Deshalb fange ich mal an meinen neuen Newsletter zu schreiben. Aber Achtung, der wird wieder lang....

Was seither geschah :o)
Wo fange ich an? Also als Erstes muss ich euch von meiner neuen Perücke erzählen. Keine einfache Sache. Bei der Anprobe hab ich erfahren, dass die Krankenkasse nur 380 € für das Teil übernimmt. Die Kosten für die Haarpracht liegt aber bei 400-800 €. Je nachdem, welches Modell mir steht, muss ich also einiges dafür bezahlen. Ich hab dann alles ausprobiert von langen bis kurzen Haaren. Die kurzen Haare gingen ganz und gar nicht, weil ich damit aussah, wie ich mit 15 Jahren. Die langen Haare sind im Sommer eher unpraktisch und pflegeintensiv. Kurzum, ich habe eine halblange Frisur ausgesucht, mit der Vermutung, dass ich sie doch nicht so oft tragen werde, da ich mich schon so sehr an das Tuch gewöhnt habe. Wegen dem Preis, war ich dann aber doch nervös und siehe da- mein Haarschopf hat gerade mal 388 € gekostet!!!
Das hat mich doch sehr beschwingt. Wie ich damit ankomme? Dominik hat immer ein Grinsen auf dem Gesicht, wenn er mich damit sieht, meine Nichte mag sie lieber als das Tuch und ich traue mich damit nicht auf die Straße, nur, wenn mich niemand kennt. Also hab ich sie zur nächsten Chemo angezogen. s.h. unten

Kleine Episode: bisher habe ich Louis meinen Anblick ohne Tuch so gut es geht erspart. An einem Morgen hat er mich aber unter der Dusche erwischt und mich ganz erschreckt angeguckt: "gell die Chemozwerge haben deine Haare gefressen!" Er hat mich dann zweimal gefragt, ob ich das Tuch wieder anziehe. Als es ihm nicht schnell genug ging, hat er sogar "bitte" gesagt.

Vor zwei Wochen hatte ich eine Kontrolluntersuchung bei meinem Professor. Der Tumor ist schon auf 5X6 mm geschrumpft. Das heißt die Chemo schlägt wunderbar an. Damit man die Stelle wiederfindet, falls der Tumor ganz verschwindet, wurde mir wieder mit einer dicken Nadel ein Metallblättchen in die Brust geschossen (habe wieder das F-Wort benutzt). Ich weiß nicht, wei oft ich schon vorher den Ärzten gesagt habe, dass örtliche Betäubungen bei mir nur in "HOHER" Dosis wirken. Reaktion: " was das spüren sie noch?" -"ehm, jaaaa, F....."

Einige von euch haben mich gefragt, warum die Chemo denn weiter gemacht wird, auch wenn der Tumor ganz verschwinden sollte.
Also, der Tumor ist zwar in meiner Brust, aber er kann sich schon über die Lymphbahnen und die Blutwege verbreitet haben. Dass die Wächterlymphknoten nicht befallen sind und auch noch kein Organ, schließt das leider nicht aus.
Um das Risiko zu minimieren, wird die Chemo gemacht.
Rein statistisch besteht ein erhöhtes Rückfallsrisiko, wenn nur einer der fünf Fälle zutrifft (deshalb wird dann in jedem Fall Chemo gemacht):
- wenn die Frau unter 35 Jahre alt ist
- wenn der Tumor größer als 1 cm ist (bei mir 1,5 cm)
- wenn der Tumor aggressiv ist (bei mir sehr hoch-g3)
- wenn wenn der Tumor nicht-hormonell ist (bei mir der Fall)
- wenn die Lymphknoten nicht befallen sind

Ich hatte die Chemo diesmal auf den Montag verschoben, weil ich das mit dem Wochenende immer so schwierig fand und so Louis im Kindergarten versorgt ist und die Dorfhelferin sich um Jael kümmern kann.
Der Tag fing gut an: Der Taxifahrer ist nicht erschienen und saß noch vor seiner Zeitung als ich anrief. Dann wurde in der Voruntersuchung festgestellt, dass ich 37,7 Grad Temperatur hatte. Deshalb musste noch mal Blut abgenommen werden und ich durfte 1,5 Stunden noch mal "Platz nehmen". Im Wartezimmer wurde es schon bald gesprächig, so dass ich nicht mehr in meinem Buch weiterlesen konnte. Eine Dame aus Stuttgart ist mit ihrem Herren angereist und hat lautstark von ihrem Leidensweg erzählt. Der guten Frau wurden 2,5 kg Tumormasse rausgeschnitten. Der Bauch war total verkrebst. Aber jetzt ist sie wohl über den Berg. Die beiden anderen Frauen sind nach zwei Jahren wieder hier, weil Metastasen gefunden wurden. Die relativ junge Frau neben mir hatte beim ersten Mal auch keinen Lymphknotenbefall. Alle sind sich einig, dass der Krebs leider ein lebenslanger Kampf ist und nicht mit einem Mal erledigt ist. Für mich waren die Gespräche sehr ernüchternd- auch als lautstark über die unnatürlichen Perücken hergezogen wurde (meinen die mich? ;o). Naja, die Prognosen bestärken mich in meinem Vorhaben, nach der ganzen Therapie mind. 3-5h die Woche Ausdauersport zu betreiben, das senkt das Rückfallsrisiko wohl enorm. Ich bin auch die letzten zwei Wochen jeden Tag eine Stunde gelaufen und bin mitgewandert, damit ich fit bleibe (immerhin ist eine Nebenwirkung der Chemo, dass man bei jedem Zyklus 1 kg zunehmen soll! Schade, dass die Chemo-Zwerge keine Fettzellen fressen ;o).
Zurück zur Chemo- mein geliebter Assistenzarzt ist heute nicht mehr da (schade- denn diesmal hätte ich zu ihm gesagt, dass er beim Händeschütteln mal richtig zupacken soll) dafür seine Ablösung- genauso jung, dafür weiblich und blond. Hab mich aber zu früh gefreut, denn sie hat anscheinend noch keine Erfahrung damit eine Infusionsnadel in den Port einzuführen. Bis sie fertig war, standen mir die Tränen in den Augen und ich musste mir eine Schmerztablette geben lassen.
So also, der erste Tag ist gut überstanden, ich bin wieder schlapp und mir wird schlecht, wenn ich zu lange aufstehe. Meine Cortisonbäckchen sind wie immer rosig und rund. Und ich liege wach-

Die beste Nachricht von gestern habe ich euch noch vorenthalten. Dazu muss ich leider noch mal etwas ausholen. Bei meinem Klinikaufenthalt hatte ich ja ein Gespräch mit dem Psychologen, der mir den unbedingten Rat gab, mir schon bald einen Lebenstraum zu erfüllen, der mir auch während der Therapie gut tut. Überleg, überleg...
Mein größter unverwirklichter Traum ist es eine kleine Töpferwerkstatt zu haben. Diesen Traum wollte ich mir evtl. in den nächsten 10 Jahren erfüllen, wenn wir wieder bei Kasse sind und ich mehr Zeit habe. Spaßeshalber habe ich dann aber doch bei Ebay wieder einmal nach einer Drehscheibe geschaut und siehe da- eine super Drehscheibe von meiner Wunschmarke zur Selbstabholung bei Köln gefunden. Meine Schwägerin studiert in Köln, es hat keiner mitgeboten- deshalb kam ich völlig unverhofft und günstig zu meiner Drehscheibe. Habe die letzten zwei Wochen in den Schlafpausen von Jael getöpfert und bin glückselig :o)))
Aber wo das Zeugs brennen? Ich müsste es nach Freiburg zum Vorderhaus (Keramikwerkstatt) transportieren und dann dort glasieren. Etwas umständlich- aber machbar.
Vor zwei Wochen rief mich meine Schwiegermama aufgeregt an, sie hätte in der Zeitung einen Brennofen gesehen- sie ruft mal an. Kurzum, das Teil kostete stolze 3000 €, da es sich um eine Luxusvariante für einen Hoppytöpferer handelt, nur selten für Therapiezwecke gebraucht und gerade 10 Jahre alt. Schön und gut. Ich musste dann erst einmal meiner Schwiegermama klar machen, dass wir im Moment nicht das Geld für sowas haben, auch wenn das Teil nur 500 € kostet. Mein Schwiegerpapa wollte ihn aber trotzdem mal anschauen..
Am Sonntagabend saß ich auf dem Sofa und träumte wieder mal davon, wie das wäre hier selbst brennen zu können. Ich schickte Gott ein kleines Gebet und ladete meinen Wunschzettel bei ihm ab.
Montag morgen- 5 Minuten vor der Abfahrt, rief meine Schwiegermama wieder an. Sie war ganz aufgeregt und erzählte mir, dass sie nochmals bei der Frau angerufen hat, um zu sagen, dass wir den Brennofen jetzt nicht kaufen, da meinte die gute Frau: "Wissen sie was- ich schenke ihn Ihnen! Der steht hier rum und ich brauche den Platz!"
Das ist doch der OBER-KNALLER!!!!!!!!!!!

Ich muss euch sagen, dass ich auch in den letzten drei Wochen so viel Schönes erlebt habe, die ganzen Briefe, jede Woche einen Umschlag ohne Namen und Geld darin, einen Zoobesuch in Karlsruhe und einen geschenkten BRENNOFEN. Ich freue mich einfach jeden Tag und merke, dass viel gebetet wird. Ich habe von unserem Pastor vor der erste Chemo einen Losvers bekommen, den er im Gebet gezogen hat. Psalm 28,7: Der Herr ist meine Stärke und mein Schild; auf ihn hofft mein Herz und mir ist geholfen! Mein Konfirmandenspruch kommt mir auch immer wieder in den Sinn: Seid alle Zeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes.1. Thessalonicher 5,16 Dazu bleibt mir nur ein "Amen" zu sagen.


Jesus loves me
Kerstin

ps. wer mich in den nächsten Wochen/Monaten mal besuchen wollte, kann
sich am Besten ein/zwei Tage vorher melden. Dann weiß ich, ob ich fit
und ihr gesund seid ;o) diese Woche aber nicht.

Freitag, 20. April 2012

Newsletter 05: Chemobeschwerden

Meinen Lieben,

heute, einen Tag nach meinem Geburtstag will ich mich bei euch noch mal für alle Karten, Blumen und Anrufe der letzten drei Wochen bedanken und euch kurz schreiben, wie es mir mittlerweile geht.


Letzten Donnerstag habe ich die zweite Chemo bekommen. Wie das so läuft? Ich muss einen Tag früher anrufen und fragen, ob sie mit meinen Blutwerten zufrieden sind und ob ich kommen darf. Am Donnerstag werde ich von einem älteren Herren (Taxi) in die Uni kutschiert. Dann wird noch der Blutdruck gemessen, gewogen und dann muss ich im Wartezimmer warten, bis mein Chemoarzt mich aufruft. Der gute Mann ist kaum älter als ich, redet kaum deutsch, hat einen schlafwandlerischen Gang, einen Händedruck, wie ein Mädchen...aber ja....Dann werde ich gefragt, welche Nebenwirkungen ich das letzte Mal hatte und welche Medikamente ich denn gerne hätte!? Dann werde ich in einen Raum mit drei bequemen Sesseln gebracht und an die Infusion angedockt. Ich hatte die letzten zwei Male Gesellschaft von einer älteren Dame, die gerne über die Krankenschwestern ablästerte. Eher eine nervige Zeitgenossin. Dann wird mir erst Kochsalzlösung eingeflöst und dann der "rote Campari". Das ganze dauert 2,5 Stunden. In der Zeit renne ich ständig aufs Klo und lese, was in der Bibliothek so rumliegt. Dann werd ich wieder abgeholt. Am selben Tag noch war ich nur etwas schlapp und hatte Blasenschmerzen. Dann konnte ich aber die Nacht überhaupt nicht schlafen von dem Cortison und den Hitzewallungen, die mich 24 h am Tag begleiten. Am folgenden Tag war mir deshalb zeitweise ganz schön elend. Auch von dem scheußlichen Geschmack im Mund. Man möchte die ganze Zeit etwas essen, damit es nicht so fruchtbar schmeckt und andererseits wird einem beim Essen dann ganz schlecht. Das Wochenende danach war für Dominik und mich dann sehr anstrengend. Jael hat seit Samstagnacht kaum eine Nacht länger als drei Stunden am Stück geschlafen und auch Louis hat dreimal ins Bett gemacht. Ich selber konnte noch am Wochenende kaum aufstehen, weil ich mich einfach elendig gefühlt habe. Schlafen ging nach wie vor nicht. Am Montag habe ich, wie letztes Mal von der Nase abwärts Muskelschmerzen bekommen, die bis Mittwoch angehalten haben. Somit war es diesmal für mich irgendwie heftig. Am Montag war ich durch die schlaflosen Nächte am Tiefpunkt, und ich habe mich gefragt, wie das alles 6 Monate gehen soll. Aber schon am Dienstag ging es wieder bergauf. Gestern habe ich mir mal eine Schlaftablette reingeschoben, so dass ich mal drei Stunden am Stück schlafen konnte. Jetzt leg ich mich nur noch einmal am Tag hin. Ich freue mich, dass ich nach einer Woche schon wieder so fit bin und heute mit Louis Fahrradfahren üben konnte. Und ich genieße jeden Tag, den ich ohne Infekte und Wehwehchen bis zur nächsten Chemo haben darf.


Ah, ich hab vergessen zu erwähnen, dass ich am Mittwoch an einem Kosmetikseminar für Chemopatientinnen teilgenommen habe. Ich musste leider wieder feststellen, dass ich nicht der Typ für solche "Selbsthilfegruppen" bin (wer mich kennt, weiß dass ich auch schon die Geburtsvorbereitungskurse so ätzend fand) oder es lag daran, dass alle anderen Teilnehmerinnen um die 50 Jahre alt waren. War zuerst etwas erstaunt, dass ich die einzige mit Haarverlust bin, bis alle ganz fröhlich und ungeniert die Perücken abgenommen haben und ich in einem Kreis von lauter alten Glatzköpfen saß. Am Ende hatte ich eine Wundertüte vollbepackt mit Kosmetika im Wert von 200 Euro! Die Kosmetika gingen farblich leider ganz und gar nicht, so dass ich nur mit zwei Stiften etwas anfangen konnte.

Dominik hat mir gerade ganz amüsiert die Packungsbeilage von den Schlaftabletten vorgelesen, die ich euch zum Schluss nicht vorenthalten will:
Schlafwandel und damit verbundene Verhaltensweisen:
Es liegen einige Berichte von Patienten vor, die sich beim Aufwachen nach der Einnahme des Schlafmedikamentes nicht mehr an Ereignisse erinnern, die sie während des Schlafes unternommen hatten. Dazu gehören Schlafwandeln, Autofahren im Schlaf, Zubereiten und Verzehren von Mahlzeiten, Telefonieren oder Geschlechtsverkehr. Wenn jemand in ihrer Umgebung derartige Reaktionen bemerkt, wenden Sie sich an ihren Arzt.

In diesem Sinne: haltet Augen und Ohren offen!

Sonntag, 8. April 2012

Newsletter 04: Die Haare fallen


Meine Lieben,

die letzten zwei Wochen habe ich an Infekten mitgenommen, was es im Umkreis zu bieten gab. Ich hoffe allerdings, dass ich den Magen-Darminfekt von Louis nicht auch noch bekomme, so dass ich am Donnerstag zur Chemo antreten kann.
Louis durfte mir am Freitag die Haare schneiden, als meine Kopfhaut zu brennen angefangen hat. Jetzt langsam fallen mir die Haare ganz aus. Ich bin froh, wenn das auch überstanden ist.

Schon gewöhnungsbedürftig....

Montag, 26. März 2012

Newsletter 03: Die erste Chemo

Meine Lieben,

am Donnerstag, als ich von der Chemo heim kam, saß Louis glücklich mit der Neuen im Sandkasten und hat mit ihr Pirat gespielt. Gabi ist eine gute Seele und wird hoffentlich das nächste halbe Jahr bei uns bleiben. Anfang der Woche war noch so Vieles, worum ich mir Gedanken gemacht habe und Gott hat alles in die Hände genommen und sich darum gekümmert. Vielen Dank, den Betern.

Die letzten Wochen waren kein Spaziergang und ich bin es schon leid jeden Tag gepiekst oder geschnipselt zu werden. Ich habe jetzt rechts und links eine Narbe, die heilen muss weshalb ich auch nichts mehr tragen darf. Nachts weiß ich nicht, wie ich liegen soll. Die erste Chemo am Donnerstag habe ich noch ganz gut weggesteckt. War ähnlich einer Grippe und doch ganz anders. Zum Beispiel ist mir die Zunge in der ersten Nacht gefühlt  auf die Hälfte eingeschrumpft und ich konnte nicht mehr schlucken. Von dem Cortison muss ich ständig essen. Gestern habe ich mich noch unglaublich schlapp gefühlt und heute (5 Uhr) habe ich das Gefühl, dass ich von den Kräften her, ganz die Alte bin. Jetzt heißt es jede Woche Blut abnehmen, um zu schauen, ob ich unters Volk und ob ich zur nächsten Chemo (Do nach Ostern) antreten darf. Ich habe großen Respekt vor den weiteren Chemos, da die Nebenwirkungen (auch Wechseljahresbeschwerden) in der Regel stärker und die Erholungszeiten länger werden.
Ich versuche aber meine Ängste weiterhin bei Gott abzuladen, dem keine meiner Sorgen zu klein sind und dem kein Wunder zu groß ist.

Da ich soviel Post bekommen habe, kann ich leider nicht jedem antworten. Ich habe mich aber über jede einzelne Nachricht von euch gefreut und bin froh einen so tollen und hilfsbereiten Freundeskreis zu haben.

Fühlt euch umarmt
Kerstin


ps. mir ist letztens wieder eine Postkarte in die Hände gekommen mit dem Gesicht : das Wunder der Perle. Kennt ihr das? Ich finde es wunderschön....

Das Wunder der Perle

Man erzählt sich die Geschichte einer Perle hier am Strand. Sie entstand in jener Muschel durch ein 
grobes Körnchen Sand.Es drang in ihre Mitte u. die Muschel wehrte sich. Doch sie musste damit leben 
und sie klagte. Warum ich? Eine Perle wächst ins Leben, sie entsteht durch tiefen Schmerz. Und die 
Muschel glaubt zu sterben, Wut und Trauer füllt ihr Herz. Sie beginnt es zu ertragen, zu ummanteln 
dieses Korn. Nach und nach verstummt ihr Klagen u. ihr ohnmächtiger Zorn. Viele Jahre sind vergangen,
Tag für Tag am Meeresgrund schliesst u. öffnet sich die Muschel. Jetzt fühlt sie sich kerngesund. 
Ihre Perle wird geboren. Glitzert nun im Sonnenlicht. Alle Schmerzen sind vergessen, jenes 
Wunder jedoch nicht. Jede Perle lehrt uns beten, hilft vetrauen und verstehn, denn der Schöpfer aller 
Dinge hat auch deinen Schmerz gesehn. Nun wächst Glaube, Hoffnung, Liebe, sogar Freude tief im Leid.
So entsteht auch deine Perle, sein Geschenk für alle Zeit.

Dienstag, 13. März 2012

Newsletter 02: OP überstanden



Hallo ihr Lieben,

endlich bin ich wieder Zuhause. Der Krankenhausaufenthalt war erträglich und aufschlussreich. Nur die lange Trennung von meinen Kindern war am Ende hart für uns alle. Ich durfte erst am Freitag heim, weil mir für die Knochenuntersuchung eine leicht radioaktive Substanz gespritzt wurde, die sich erst innerhalb 24 Stunden abbaut. Meine Wundheilung ist ganz gut, ich darf aber trotzdem 3-4 Wochen nicht mehr als 3 kg rechts heben.
Jael hat sich an den Schoppen gewöhnt und hat in der Woche zwei Zähne bekommen, weshalb sie immer mal wieder Fieber hatte. Die Dorfhelferin ist auch seit Donnerstag da. Muss mich erst noch dran gewöhnen und auch die Kinder tun sich noch schwer. Vielleicht ergibt sich aber auch mal noch eine andere Lösung.

Bisher sind die Ergebnisse gut. Es wurde nichts in der Lunge und den Knochen festgestellt. Der Seelendoktor hat mir auch ein gesundes Gemüt attestiert, was wohl bei 70 % der Krebspatienten nicht der Fall ist! Ich habe auch einige Patientinnen auf der Station mitbekommen, die keine so stabilen Familien haben, da geht es mir im Vergleich echt gut.
Die Ergebnisse der Lymphknoten bekomme ich erst am Donnerstag. Am Montag wird eine Kernspintomographie durchgeführt, um die Größe des Tumors genauer bestimmen zu können (sieht man im Ultraschall durch das Stillen nicht so gut). Am Abend habe ich dann noch ein Gespräch bei Prof. Stickeler. Am Dienstag muss ich beim Hausarzt eine Leber-Sono machen und die Blutwerte für die Chemo untersuchen lassen. Am Mittwoch wird mir ein Port für die Infusionen implantiert und am Donnerstag geht es dann mit der Chemo los. Das erste viertel Jahr alle drei Wochen dann 12 Wochen hintereinander.
Ich konnte mich in den Tagen gut informieren und habe viel gelesen. Für Louis habe ich schöne Kinderbücher bekommen z.B. vom Chemo-Zwerg (er hat es damit echt gut verstanden). Beim Lesen von den Nebenwirkungen der Chemo ist es mir schon schlecht geworden, weshalb ich mich damit nicht näher beschäftigt habe.

Soweit so gut. Ich danke euch für euer Mittragen in euren Gedanken und Gebeten.
Vielen Dank auch für euer Kommen und eure Karten und Geschenke zur Segnung von Jael.